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LinkedIn-Kontaktanfragen: Annehmen, ablehnen oder ignorieren?

Autorenbild: Sanne Jungermann
Sanne Jungermann
27. Nov. 2025
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 20 Stunden

Worauf ich bei LinkedIn und Kontaktanfragen achte, was ich meinen Kunden empfehle und warum gute Vernetzung für mich Respekt und Geduld braucht.


Vernetzung LinkedIn Menschen
Auch in der Offline-Welt schaffen wir mit Respekt und Geduld wertvolle neue Beziehungen

„Ich nehme inzwischen kaum noch Kontaktanfragen an. Sobald ich zusage, will jemand etwas von mir.“ Diesen Satz höre ich in meiner Kundenarbeit immer wieder: Menschen möchten sich vernetzen, erwarten aber schon das nächste Verkaufsangebot und fühlen sich verpflichtet, darauf zu antworten.


Ich verstehe die Zurückhaltung. Schade ist, wenn dadurch auch interessante Kontakte verloren gehen.



Mein Tipp: Bewusst auswählen und anderen mit demselben Respekt und derselben Geduld begegnen wie im persönlichen Gespräch.


Sollte ich jede LinkedIn-Kontaktanfrage annehmen?


Nein. Ich empfehle, vor dem Annehmen jedes Profil aufzurufen und zu prüfen, ob es einen nachvollziehbaren Bezug gibt. Ein großes Netzwerk allein sagt wenig darüber aus, wie interessant oder hilfreich die Kontakte darin für mich sind. Dabei schaue ich auf:


  • Die aktuelle Tätigkeit: Was macht die Person, für wen arbeitet sie und was bietet sie an?

  • Den beruflichen Werdegang: Welche Erfahrungen bringt sie mit? Gibt es Berührungspunkte zu meiner Arbeit?

  • Gemeinsame Kontakte: Kenne ich Menschen, mit denen sie ebenfalls vernetzt ist?

  • Beiträge und Kommentare: Welche Themen beschäftigen sie? Wie tritt sie anderen gegenüber auf?


Nach dem Blick aufs Profil kommt für mich die entscheidende Frage: Möchte ich diese Person in meinem Netzwerk haben und warum?


Was mache ich, wenn nach dem Annehmen sofort ein Verkaufsangebot kommt?


Ich würde die Nachricht lesen und prüfen, ob sie für mich relevant ist. Vielleicht passt das Angebot zu einer aktuellen Aufgabe. Dann kann daraus ein interessantes Gespräch entstehen. Wenn es nicht passt, würde ich kurz und höflich antworten:

Vielen Dank für Ihre Nachricht. Das kommt für mich im Moment nicht infrage.

Dafür brauche ich keine ausführliche Begründung. Ich muss auch keinen Kennenlerntermin vereinbaren, nur weil ich eine Kontaktanfrage angenommen habe. Gerade diesen Druck bekomme ich bei meinen Kunden mit: Jetzt hat jemand geschrieben, also muss ich mich damit beschäftigen.


Für mich gilt dagegen: Eine Vernetzung verpflichtet mich nicht dazu, auf ein Angebot einzugehen.


Schwierig finde ich Nachrichten ohne nachvollziehbaren Bezug. Einem Kunden wurden beispielsweise unmittelbar nach einer Vernetzung Leistungen zum Thema Abnehmen angeboten.

Da frage ich mich schon: Wie kommt jemand darauf, dass dieses persönliche Thema relevant oder erwünscht ist? Für mich geht das deutlich zu weit.


Wie stelle ich selbst eine gute LinkedIn-Kontaktanfrage?


Ich beschäftige mich zuerst mit der Person und überlege dann, wie ich sie anspreche. Was macht sie? Worüber schreibt sie? Wo könnte es eine Schnittmenge zu meiner Arbeit geben? Ein Beitrag, eine gemeinsame fachliche Frage oder ein regionaler Bezug können gute Anknüpfungspunkte sein. Wenn ich Unterstützung beim Formulieren brauche, kann ich auch KI nutzen, um mögliche Einstiege durchzudenken. Den Bezug prüfe ich selbst: Er muss stimmen und zu mir passen.


Die Anfrage würde ich kurz halten. Ein bis drei Sätze reichen häufig aus: Wer bin ich? Warum möchte ich mich vernetzen? Manchmal finde ich auch eine schlichte Anfrage sympathisch: „Ich bin auf Ihr Profil aufmerksam geworden und würde mich über eine Vernetzung freuen.“ Es braucht nicht immer einen ausgefeilten Einstieg. Mein gesamtes Angebot muss ich an dieser Stelle jedenfalls nicht erklären.


Praxisbeispiel: Kurz vorstellen und einen Bezug schaffen

So könnte eine Kontaktanfrage aussehen: Guten Tag Frau Müller, als Unternehmer aus der Region beschäftige ich mich mit Prozessautomatisierung. Ich möchte mich gern mit Verantwortlichen vernetzen, denen stabile Abläufe am Herzen liegen. Über eine Vernetzung würde ich mich freuen. Beste Grüße aus Musterhausen

Warum ich diesen Einstieg gut finde: Die Person sagt kurz, was sie macht. Sie schafft einen regionalen Bezug und benennt ein konkretes Thema. Das Gegenüber muss keine fachliche Frage beantworten und keinem Termin zustimmen.


Nach dem Annehmen reicht zunächst ein freundlicher Dank:

Guten Tag Frau Müller, vielen Dank für die Vernetzung. Ich freue mich auf den Austausch hier im Netzwerk. Herzliche Grüße aus Musterhausen

Damit darf es zunächst auch gut sein. Wenn sich später ein passender inhaltlicher Anlass ergibt, kann ich daran anknüpfen.


Was können wir uns für LinkedIn aus der Offline-Welt abschauen?


Auch online braucht ein beruflicher Kontakt für mich Respekt und Geduld. Bei einer Veranstaltung gehe ich schließlich auch nicht auf jemanden zu und werfe ihm ungefragt mein komplettes Angebot entgegen. Ich begrüße die Person, stelle mich vor und schaue, ob sich ein lockeres Gespräch ergibt. Dabei achte ich darauf, ob mein Gegenüber interessiert ist und überhaupt Zeit hat.


Daran können wir uns auf LinkedIn gut orientieren. Ich finde es angenehm, wenn jemand kurz sagt, was ihn beruflich beschäftigt und mir dann Raum lässt. Ohne sofort einen Termin oder eine Entscheidung zu erwarten. Geduld bedeutet für mich auch, dass eine Vernetzung eine Weile bestehen darf, ohne dass etwas passiert. Vielleicht begegnet man sich später unter einem Beitrag wieder. Ein fester Ablauf aus Kontaktanfrage, Begrüßung und anschließendem Angebot wird der einzelnen Person oft nicht gerecht.


Du oder Sie: Wie spreche ich einen neuen Kontakt an?


Bei einem ersten geschäftlichen Kontakt empfehle ich, zunächst zu siezen. Auch wenn jemand in seinen Beiträgen duzt, bedeutet das für mich nicht automatisch, dass wir beide bereits beim Du sind. Das Du hat für mich eine persönliche Ebene. Diese Vertrautheit möchte ich nicht voraussetzen, wenn ich einen Menschen noch gar nicht kenne. Deshalb beginne ich mit dem Sie – aus Respekt und Wertschätzung. Wenn mir die Person das Du anbietet oder wir uns im Austausch darauf verständigen, wechsle ich gern. Bis dahin kann ich auch mit einem Sie offen, herzlich und unkompliziert auf jemanden zugehen.


Muss ich nach der Vernetzung eine Frage stellen?


Nein. Eine Frage kann Interesse zeigen, aber auch Arbeit machen. „Wie ist das bei Ihnen?“ ist schnell geschrieben. Eine Antwort braucht Zeit und Gedanken von jemandem, der mich gerade erst kennengelernt hat. Ich gebe deshalb lieber einen kleinen, passenden Impuls, etwa einen Beitrag mit erkennbarem Bezug zur Arbeit meines Gegenübers. Ohne eine Antwort zu erwarten. Die Person darf den Gedanken aufgreifen. Sie muss es nicht. So bleibt Raum für einen ungezwungenen Austausch.


Mein Fazit: Gute Vernetzung lässt dem Gegenüber Raum


Ich empfehle meinen Kunden, Kontakte bewusst auszuwählen, sich mit ihrem Gegenüber zu beschäftigen und selbst kurz und angemessen auf andere zuzugehen. Dazu gehört für mich, Interesse zu zeigen und Entscheidungen zu respektieren. So wünsche ich mir berufliche Begegnungen auch außerhalb von LinkedIn: Mit Raum für ein Gespräch, einen späteren Kontakt und auch dafür, dass gerade kein Bedarf besteht.

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